Der hier vorgeschlagene Weg bewegt sich im Gravitationsfeld kirchlicher Traditionen weitgehend schwerelos - auch wenn Anklänge an die Mystik auftauchen.
Auf ein biblisches Fundament können wir uns allemale gründen. So werden zahlreiche biblische Betrachtungen in den Ideenpools die drei Aussagen untermauern.
Eine Auslegung sei hier an den Anfang gestellt:
Wie Gott uns sieht und wir uns demzufolge sehen können
Äußerst selten bedient sich Gott in der Bibel einer Stimme vom Himmel. Für uns wohl am relevantesten ist die bei der Taufe von Jesus: „Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.“ (Matthäus 3, 17)
Weshalb wiederholt sich dieses Ereignis mit identischem Wortlaut auf dem Berg der Verklärung in Matthäus 17, 5?
Weil Jesus es brauchte, der keinerlei Zweifel an der Beziehung zu seinem himmlischen Vater hat? Wohl kaum. Vielmehr geschieht es um unseretwillen.
Doch was hat das mit uns zu tun? „Gott hat Christus, der ohne Sünde war, an unserer Stelle als Sünder verurteilt, damit wir durch ihn vor Gott als gerecht bestehen können.“ (2. Korinther 5,21 GN). Kaum ein anderer Satz in der Bibel bringt so auf den Punkt, wie weit der Heilsplan Gottes geht. Dieser Tausch zwischen Jesus und uns bedeutet: Wenn Gott uns ansieht, sieht er das, was Jesus ausmacht. Und das brüchige Bild, dass wir abgeben, liegt auf Jesus.
Erscheint es dir dennoch zu radikal und vermessen, diesen himmlischen Zuspruch für Jesus auf dich zu beziehen? Doch gehört das nicht zum Wesen der Liebe? Es ist vermessen davon auszugehen, dass unsere Bedürfnisse für einen anderen Menschen (z.B. Eltern oder Partner) wichtiger sind als deren eigenen. Ist es nicht erst recht vermessen, zu glauben, dass der Herrscher des Universums sich brennend für unsere Belange interessiert?
Am Scheideweg: Wir haben also zu wählen, ob wir uns auf die Vermessenheit der bedingungslosen Liebe einlassen oder uns von unserem angeschlagenen Selbstbild bestimmen lassen, um das zu verkörpern, was Jesus als Kleingläubige bezeichnet.
Nun können wir beklagen, dass niemand diese Stimme vom Himmel bei unserer Taufe oder anderen spirituellen Highlights vernommen hat. Wir könnten es missverstehen und ein Überlegenheitsgefühl daraus machen. Aber ist es nicht wichtiger, dass diese Stimme unser Herz erreicht und wir es uns in unserem Inneren zusprechen lassen?
Um die beschriebene göttliche Stimme leichter im Alltag meditieren zu können, komprimieren wir die drei Aussagen in jeweils einem Wort: geliebt – wohlgefällig, wertgeschätzt, wunderbar oder etwas bescheidener mit wertvoll benannt – Kind.
Es liegt nahe, dass die Aufmerksamkeit Jesu während seines von Widrigkeiten durchsetzten Erdenlebens immer wieder auf diese Anrede seines himmlischen Vaters ausgerichtet war. Deshalb war es für ihn nicht irritierend, was andere über ihn sagten. Denn er hatte stets vor Augen, wer er war. Wir sind eingeladen, ihm darin zu folgen. Es ist kaum zu ermessen, was das für unsere Beziehungen und Selbstsicherheit bewirkt.